in die allgemeine Geschichte. 22z
Man hat große Ursache, zu glauben, daß in demGeschlechte, in welchem sich die'Erkenntniß Gottes er-halten hat, auch geschriebne Nachrichten von den altenZeiten aufbewahrt worden sind. Denn die Menschenhaben immer einige Sorgfalt dafür gehabt. Zumwenigsten ist gewiß, daß man Lieder verfertigte, welchedie Väter ihren Kindern beybrachten, Lieder, welchebey Festen, und öffentlichen Versammlungen gesun-gen wurden, und das Andenken der herrlichsten Be-gebenheiten aus den verflossnen Jahrhunderten fort-pflanzten.
Dieses ist der Ursprung der Poesie, die sich in derFolge der Zeit in verschiedne Gestalten verändert hat,von denen die älteste in den Oden und Gesängen er-halten worden ist. Die Alten brauchten sie, wie nochitzt die Völker thun, bey welchen die Kunst zu schrei-ben nicht im Gebrauche ist, zum Lobc der Gottheitund der großen Manner unter ihnen.
Die Schreibart dieser Gesänge ist kühn, außer-ordentlich, und immer darinnen natürlich, was dieNatur in ihren Entzückungen vorzustellen geschickt ist.Sie braucht aus dieser Ursache lebhafte und feurigeGedanken, und ist von den gewöhnlichen Verbindun-gen frey, welche eine zusammenhangende Rede erfor-dert. Sie ist außerdem in einem prächtigen und wohl-klingenden Sylbenmaße eingeschlossen, welches ihreKraft vermehrt, das Ohr in Erstaunen seht, sichder Einbildungskraft bemächtigt, das Herz benjegt,und sich daher leichter und tiefer in das Gedächtnißeindrückt. Dergleichen Gesänge sind unter allenVölkern in der Welt bey dem Volke Gottes amgebräuchlichsten gewesen. Moses bezeichnetderselben eine ziemliche Menge, von denen er
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