272 Bischof Bossuets Einleitung
ten Wunder mchr nöthig, die Gott zu ihrem Hei-le so oft that. Die Zeugnisse, die sie erhalten hatten,waren ihnen genug, und weil ihr Unglaube nicht al-lein durch den Erfolg widerlegt, sondern auch oftgestraft worden war, so waren sie endlich gelehrig ge-worden.
Das ist die Ursache, warum man sie nach der Zeitnicht mehr Abgötter werden sieht, wozu sie dochso sehr geneigt waren. Sie hatten sich gar zu schlimmdabey befunden, daß sie den Gott ihrer Vater ver-worfen hatten. - Sie erinnerten sich bestandig an denNebucadnczar und ihren Untergang, der mit allen sei-nen Umstanden vorhergesagt worden, und eher er-folgt war, als sie geglaubt hatten. Sie erstaunteneben so sehr darüber, daß sie wider alle Vermuthungzu der bestimmten Zeit und von dem, welcher Ihnenvorhergenannt worden war,'in ihr Land wieder einge-führt wurden. . Niemals sahen sie den andern Tem-pel, ohne sich zu erinnern, warum der erste niederge-rissen, und dieser wieder erbaut worden war. Sie befe-stigten sich also in dem Glauben ihrer heiligen Schrif-ten, denen ihr ganzer Zustand ein kräftiges Zeugniß gab.
Man sah unter ihnen keine falschen Prophetenmehr; sie hatten sich von der Neigung, ihnen Glau-ben beyzumcssen, und von der Neigung zur Abgötte-rey zugleich losgerissen. Zacharias hatte es in einerWeißagung vorherverkündigt, daß beydes geschehenwürde. Seine Weißagung wurde vollkommen er-füllt. Die falschen Propheten hörten zur Zeit des andernTempels auf; das Volk war nicht mehr geneigt, sie an-zuhören. Die wahre«? Propheten wurden ohne Aufhörengelesen, und wieder gelesen. Die Juden brauchten keineAuslegung, und die Begebenheiten, die sich täglich
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