284 Bischof Bossuets Einleitung
Simonides, ein berühmter Poet, hatte diese Uebe?-schrift dazu gemacht: Tuese haben zur GöttinnVenus gefleht, und sie hat aus Liebe ;u ihnenGriechenland errettet.
Wenn ja die Liebe sollte angebetet werden, so hattees eine ehrbare Liebe seyn sollen. Solon aber, wer solltees glauben, und von einem so großen Namen eine sogroße Niederträchtigkeit vermuthen? Solon , sageich, hatte zu Athen der Venus, der Geschändeten,oder der unkeuschen Liebe, einen Tempel erbaut.Ganz Griechenland war von solchem Tempel voll, diediesem Gotte, und dieser Göttinn gewidmet waren,und die eheliche Liebe hatte in diesem ganzen Landekeinen Tempel.
Unterdessen verabscheuten sie doch den Ehebruchan den Männern, und Frauen, und die eheliche Liebewar unter ihnen heilig. Allein, wenn sie ihre Ge-danken auf die Religion richteten, so war es, als obsie von einem andern Geiste besessen würden, und ihrenatürliche Vernunft verließ sie alsdann.
Die Ernsthaftigkeit der Römer ist mit der Reli-gion nicht ernsthafter umgegangen, weil sie die Unflä-tercyen der Schaubühnen und die blutigen Spieleder Fechter, kurz, dasjenige, was vom größten Ver-derbnisse zeugte, und das Grausamste, was man ersinnenkann, ihren Göttern zu Ehren anstellte und einführte.
Allein ich weis nicht, ob die lacherlichen Thorhei-ten, die man in die Religion mischte, nicht um destogefährlicher waren, weil sie ihr die größte Ver-achtung zuzogen. Konnte man wohl die Ehrfurcht,die man göttlichen Dingen schuldig ist, unter denschandbaren Dingen behalten, welche ihre Fabelnenthielten^ deren Vorstellung einen so große» Theil
ihres