in die allgemeine Geschichte. 285
inres Gottesdienstes ausmachte? Der ganze Göt-terdienst war nichts/ als eine beständige Entheiligungoder Verspottung des göttlichen Namens. Das muß-te wohl ein Geist thun, der ein Feind dieses heiligenNamens war, der sich unterfing, ihn zu erniedri-gen, und der die Menschen antrieb, ihn bey so ver-ächtlichen Dingen zu gebrauchen, und selbst an sogar unwürdige Gegenstände zu verschwenden.
Es ist wahr, die Philosophen haben endlich ein-gesehen, daß ein andrer Gort wäre, als diejenigen,welche der Pöbel anbetete; allein sie getrauten sichdoch nicht, ihn zu bekennen. Sokrates setzte es viel-mehr, als einen Grundsaß fest, daß ein ieder sich zurReligion seines Landes bekennen müßte. Plato , seinSchüler, welcher wohl sah, daß die Welt mit einemschandbaren und unvernünftigen Gottesdienste erfülltwar, nimmt dem ungeachtet dieses als einen Grundsaßin seiner Republik an, daß man in der Religion,die in einem Lande einmal eingeführt ist, nichtsandern, sondern den Verstand verlohren ha-ben müsse/ wenn man daran denken wollte.So ernsthafte Philosophen, welche von der göttliche»Natur so schöne Sachen gesagt haben, sind zu ver-zagt gewesen, als daß sie dem öffentlichen Irrthumehätten widerstehen sollen, und sie haben alle Hoffnung?aufgegeben, ihn iemals zu überwinden. Als Sokra-tes angeklagt wurde, daß er die Götter leugnete, diedas Volk anbetete, so vertheidigte er sich dagegen, alsob man ihn eines Verbrechens beschuldigt hätte. DaPlato voil demGottei'edet,der das Weltgebaudc erschaf-fen hat, so sagt er, er sey schwer zu finden, und e6sey verboten, ihn dem Volke zu erkennen zu geben.Er versichert,daß er von ihm immer nur,gleichsam als in
Räth-