Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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286
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286 Bischof Bossuets Einleitung

Räthseln rede, aus Furcht, eine so große Wahrheitder Gefahr der Verspottung auszusetzen.

In welchem Abgrunde lag nicht das menschlicheGeschlecht, das nicht die geringste Vorstellung vondem wahren Gotte erdulden konnte ? Athen , die ar-tigste und weiseste Stadt unter den griechischen Städ-ten, sah diejenigen als Gottesleugner an, die vongeistlichen Dingen redeten, und das war eiße Ursa-che, warum Sokrates verdammt wurde. Wenn ei-nige Philosophen sich unterstunden, zu lehren, daß dieVildseulen nicht Götter wären, wie sie der Pöbel da-für hielt, so waren sie gezwungen, dieses zu wider-rufen, und wurden überdieß noch, als Gotteslästerer,durch den Ausspruch des Areopagus, aus der Stadt ver-wiesen. Die ganze Erde ward von eben diesem Irr-thume besessen : die Wahrheit wagte es nicht, her-'vorzugehen. Dieser große Gott, der Schöpjer derWelt, hatte keinen Tempel, noch Dienst, außer zuJerusalem . Wenn die Heiden ihre Opfer dahinschickten, so erwiesen sie dem Gotte Israels keineandre Ehre, als daß sie ihn zu ihren andern Götternsehten. Das einzige Juda kannte seinen heiligenund strengen Eifer, und wußte, daß man die Reli-gion aufhübe, wenn man sie zwischen Gott und denGötzen theilte.

Unterdessen fingen am Ende der Zeiten selbst dieJüden, die ihn kannten, diese Bewahrer der Reli-gion, an, in die Religion abergläubische Gebräuchezu mischen, die ihrer unwürdig waren, ob sie gleichden Gott ihrer Vater nicht ganz vergaßen. Soschwächen die Menschen immer die Wahrheit! Unterder Regierung der Asmonäer, zu den Zeiten des Io-nathas, nahm die Sekte der Pharisäer ihren Anfang

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