2N8 Bischof Bossuets Einleitung
Vorzug zu seyn, der sie natürlicher Weise über alleandern hinwegsetzte; ein so schöner Ursprung blähtesie auf, und sie glaubte», nicht durch die Gnade, son-dern von Natur schon heilig zu seyn. Das ist einIrrthum, der noch unter ihnen gemein ist. DiePharisäer, die sich ihrer Einsicht und der strengenBeobachtung der gesetzlichen Ceremonien rühmten,diese waren es, die diese Meynung in den letzten Zei-ten unter ihnen einführten. Wie sie auf nichts dach-ten, als wie sie sich von andern Menschen unterschei-den wollten, so vervielAltigcen sie die äußerlichen Ge-bräuche ohne Aufhören, und gaben ihre eignen Ge-danken für wahre Traditionen aus, so sehr sie auchdem Gesetze Gottes zuwider waren.
Ehe noch diese Meynungen durch eine öffentlicheVerordnung zu einer Lehre der Synagogen wurden,so schlichen sie sich schon unvermerkt unter das Volkein, welches unruhig, und aufrührisch wurde. End-lich brachen die Uneinigkeiten, die nach ihren Pro-pheten den Abfall ihres Glückes verursachen sollten,bey Gelegenheit der Zwistigkeiten in dem Hause derAsmonäer öffentlich aus. Es waren kaun: nochsechzig Jahre bis auf Jesum Christum, als Hyr-canus und Aristobulus, zween Söhne des Alexan-der Jannäus , wegen des Hohenpriesterrhums, mitdem die königliche Würde verbunden war, in einenStreit geriethcn. Das ist der unglückliche Augen-blick, den die Geschichte als die erste Ursache des Un-terganges der Iüden angiebt. Pompejus , den diebeyden Brüder zu ihrem Schiedsrichter annahmen,machte sich beyde unterwürsig, und zwar zu der Zeit,als er den Antiochus, mit dem Zunamen Asiaricus,den letzten König in Syrien , vertrieb. Diese drey
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