Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

m die allgemeine Geschichte. ZO)

herkömmt, hat alle ihre Fülle, und muß eine unendli-che Vollkommenheit besitzen. Weil wir von Gott kei-ne andre Idee, als die Idee der Vollkommenheit ha-ben, so verdient ieder von diesen drey Unterschieden, ansich selbst betrachtet, Gott genennt zu werden; allein,weil diese drey Unterschiede nothwendig nur einer Na-tur zukommen, so sind diese drey Dinge nur ein ein»ziger Gott.

Man muß sich also in dieser anbetungswürdigenDreyeinigkeit nichts Ungleiches, nichts Getrenntesdenken, und obgleich diese Gleichheit unbegreiflich ist,so wird uns doch unsre Seele, wenn wir sie hören, et-was davon sagen.

Sie ist, und da sie vollkommen weis, daß sie ist,so stimmt ihr Verstand mit der Wahrheit ihres We-sens vollkommen überein, und wenn sie ihr Wesenmit ihrem Verstände so sehr liebt, als sie geliebt zuwerden verdient, so gleicht ihre Liebe der Vollkom-menheit von beyden. Diese drey Dinge können nie-mals getrennt werden, und schließen eins das andreein. Wir denken, daß wir sind, und daß wir unslieben, und wir lieben dieses, daß wir sind, und daßwir denken. Wer kann das leugnen, wenn er anderssich selbst versteht? Eben so ist die Dreyeinigkeit,die wir anbeten, und welcher wir in der heiligen Tau-fe geheiligt werden, unendlich vollkommner, untheil-barer, einiger in ihrem Wesen, und in allen Stückensich selbst mehr gleich.

Aber wir selbst, die wir ein Bild der Dreyeinig-keit sind, sind auch aus einem andern Gesichtspunkteein Bild der Menschwerdung.

Unsre Seele, deren Natur geistlich und unverwes-lich ist, hat einen verweslichen Körper, der mit ihr

ver-