ZO8 Bischof Bossuets Eillleitung
der Seelen glaubten, welche sie bald vom Himmelauf die Erde, bald von der Erde in den Himmel, ausden Thieren in die Menschen, und aus den Menschenin die Thiere, von der Glückseligkeit zum Elende/ undvom Elende zur Glückseligkeit wandern ließen, ohnedaß diese Wandlungen iemals ein Ende nahmen, odereine gewisse Ordnung hatten? Wie wurden nichtdurch dergleichen Irrthümer die Lehren, von der göttli-chen Gerechtigkeit, Vorsehung und Güte verdunkelt!Und wie nöthig war es, Gott zu kennen, ehe man dieSeele, und ihre unsterbliche Natur kennen lernte!
Darum gab das Gesetz Mosis dem Menschen nurdie allerersten Begriffe von der Natur der Seele undihrer Glückseligkeit. Wir haben gesehen, daß dieSeele im Anfange der Dinge sowohl durch die MachtGottes hervorgebracht worden ist, als die übrigenGeschöpfe. Allein Gott hat sie dadurch von andernunterschieden, daß er sie nach seinem Bilde, und sichselbst ähnlich gemacht hat, damit sie wissen sollte, wemsie im Grunde angehörte, und bannt sie nicht glaubenmöchte, daß sie eben die Natur, als die Körper, hatte,und durch ihre Hülfe entstanden wäre. Allein dieFolgen dieser Lehre, und die Wunder des zukünftigenLebens wurden dazumal nicht alle offenbart; doch solltein den Tagen des Meßias dieses große Licht auf-gehen.
Gott aber hatte doch in den Schriften des altenBundes einige Strahlen davon blicken lassen. Sa-Pr-td. S. 12, lamo sagt: Der Graub muß wieder zu der Er-' den kommen, wie er gewesen ist, und der Geistwieder zu Gott, der ihn gegeben bar. DiePatriarchen und die Altvater haben ihr leben mit die-ser Hoffnung zugebracht. Daniel hatte vorhergesagt,
daß