Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
311
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in die allgemeine Geschichte. M

Liebe des Nächsten, und geht mit seinem Gebote so weit,daß sich diese wohlthätige Neigung aufalle, und sogar aufunsre Feinde, erstrecken soll. Er lehrt uns die Herrschaftüber unsre sinnlichen Glieder; wir sollen nach seiner Vor-schrift, selbst unsre Glieder, das ist, dasjenige, wasuns am liebsten ist, abhauen und von uns werfen;wir sollen uns in alle Fügungen Gottes schicken, unduns selbst in den Leiden erfreuen, die er uns zuschickt;er ermahnt uns zur Demuth, und verlangt, daß wir umdie Ehre Gottes auch die Schmach und Unehre liebenund glauben sollen, daß uns keine Schmach so tief un-ter den Menschen erniedrigen kann, als uns unsre Sün-den vor Gott erniedrigen. Auf diese Liebe gründet e?die Verbesserung aller Stände unter den Menschen.Sie ist es, durch welche die Ehe ihre erste Gestaltwieder erhält; die eheliche Liebe ist nicht mehr getheilt;eine so heilige Gesellschaft soll sich nur mit dem Lebenendigen, lind die Kinder sehen ihre Mütter nicht mehrverjage:?, um an ihre Stelle eine Stiefmutter zu be-kommen. Das ehlose Leben wird uns als eine Nach-ahmung des Lebens der Engel vorgestellt, das alleinmit Gott und den keuschen Freuden seiner Liebe be-schafftigt ist. Die Obern lernen, daß sie Diener derandern sind, und sich ihrem Besten widmen müssen;die Unterthanen erkennen die Einrichtung und Ord-nung Gottes in den rechtmäßigen Obrigkeiten auchalsdann, wenn sie ihre Gewalt misbrauchcn. Die-ser Gedanke lindert den Verdruß, der bey der Unter-würfigkeit ist, und unter verdrießlichen Herren ist derGehorsam den Christen doch nicht verdrießlich.

Mit diesen Geboten verbindet der Erlöser Ermah-nungen zu einer noch größern Vollkommenheit. Mansoll allem Vergnügen entsagen, im Leibe leben, als ob

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