zi2 Bischof Bossuets Einleituttg
man außer dem Leibe lebte, alles verlassen, alles denArmen geben, um nur Gott allein zu besitzen, mit we-nigem, und beynahe mit nichts sein Leben erhalten, unddieses wenige von der göttlichen Vorsehung erwarten.
Allein das Gesetz, welches dem Evangelio am mei-sten eigen ist, ist das Gesetz, sein Kreuz zu tragen.Das Kreuz ist die wahre Probe des Glaubens, derwahre Grund der Hoffnung, die vollkommenste Läute-rung der Liebe, und mit einem Worte, der Weg zumHimmel. Jesus Christus ist am Kreuze gestorben;er hat sein ganzes Leben hindurch das Kreuz getragen;das Kreuz ist es, das wir nach seinem Willen auf unsnehmen sollen, und das ewige Leben ist der Preis da-für. Der erste, dem er besonders die Ruhe des Pa-radieses verspricht, ist ein Gefährte seines Kreuzes:L»c.-z,4Z- Du wirst heuce, sagt er, mit mir im Paradieseseyn. So bald er am Kreuze war, wurde der Vor-hang, der das Allerheiligste vom Heiligen absonderte/von oben bis unten zerrissen, und der Himmel den hei-ligen Seelen aufgethan. Nachdem er vom Kreu^herabyenommen worden war, und das Schrecken sei-nes Leidens und Todes überstanden hatte, erschien erseinen Aposteln herrlich, und als ein Uebcrwindcr desTodes, damit sie lernten, daß sie durch das Kreuz inseine Herrlichkeit eingehen mußten. Einen andern'Weg zeigte er seinen Kindern nicht.
Es wurde also der Welt in der Person Jesu Christi das Muster einer vollkommnen Tugend gegeben, welcheauf der Erde nichts hat, und nichts erwartet; welchedie Menschen nur mit beständigen Verfolgungen be-'lehnen; welche dennoch nicht aushört, ihnen Guteszu thun, und sich endlich durch seine Wohlthaten selbst-den Tod zuzieht. Jesus Christus stirbt,' ohne bey de-nen,