Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
313
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in die allgemeine Geschichte, ziz

ncn, denen erWohlthaten erzeigt, Erkenntlichkeit, ohnebey seinen Freunden Treue, ohne bey seinen RichternBilligkeit zu finden. Seine Unschuld rettet ihn nicht,ob sie gleich von aller Welt erkannt wird; fein Vaterselbst, auf den er alle seine Hoffnung gesetzt hat, ver-läßt ihn, und entzieht ihm alle Kennzeichen seinesSchuhes; der Gerechte wird seinen Feinden überlie-fert und stirbt, von Gott und von den Menschenverlassen.

Es mußte aber dem rechtschaffnen Manne gezeigtwerden, daß er auch in seinem äußersten Elende keinesmenschlichen Trostes, und selbst nicht einmal eines merk-lichen Zeichens der göttlichen Hülfe nöthig habe. Er sollnur Gott lieben, und ihm vertrauen, und versichertseyn, daß Gott an ihn denke, ohne ihm einen Beweisdavon zu geben, und daß ihm eine ewige Glückseligkeitaufbehalten ist.

Der Weiseste unter den alten Philosophen suchte den 8°-r,sp,?i->nwahren Begriff von der Tugend auf, und fand, daß, ^wie unter allen Bösewichtern derjenige der Größtewäre, der seine Bosheit so wohl zu verbergen wüßte,daß er für einen rechtschaffnen Mann gälte, und unterdiesem Vorwande sich alles des Ansehens bediente, dasdie Tugend geben kann , so auch der Tugendhaftesteohne Zweifel derjenige seyn müßte, dem die Vollkom-menheit seiner Tugend den Neid aller Menschen zu-zöge, so, daß er weiter nichts, als sein Gewissen fürsich hätte, und sich aller Schmach misgeseßt sehenmüßte, und sogar deswegen an das Kreuz geschlagenwürde, ohne daß ihm seine Tugend helfen, und ihn voneinen? so grausamen Tode bcfrcyen könnte. Scheintes nicht, als wenn Gott diesen verwundernSwürdigcnBegriff von der Tugend darum in die Seele dieses

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