zi4 Bischof Bossuets Einleitung
Philosophen darum gelegt hätte, daß er in der Person sei-nes Sohnes wirklich werden, und zeigen sollte: der Ge-rechte habe eine andre Ehre, eine andre Ruhe, undendlich eine andre Glückseligkeit zu erwarten, als dieist, die er auf der Erde haben kann?
Der Heiland setzte diese Wahrheit fest, und erfülltesie selbst mit dem Verluste seines eignen Lebens, durchsich selbst vollkommen. Das war das größte Werk,das ein Mensch thun konnte, und Gott hat es selbstfür so groß geachtet, daß er es dem so oft verfproch-ucnMcßias, diesem Menschen, vorbehalten hat, dermit seinem Sohne eine Person ausmachen sollte.
Was konnte auch einem Gott, der auf die Weltkam, Größers vorbehalten werden? Und was konnteer da thun, das seiner würdiger wäre, als die Tu-gend in aller ihrer Reinigkeit, und das ewige Glückzeigen, zu dem die äußersten Martern führen?
Allein, wenn wir dasjenige betrachten, was nochviel erhabner und verborgner in dem Geheimnisse desKreuzes ist, welcher menschliche Verstand kann es be-greifen? Hier werden uns Tugenden gezeigt, die al-lein der Gottmensch ausüben kann. Wer könntesonst, als er, sich an die Stelle aller alten Opfer se-tzen, sie abschaffen, und an ihre Statt ein Opfer voneiner erhabnem Würde und einem unendlichen Werthebringen, und Ursache seyn, daß weiterhin niemand,als er allein, Gott opfern darf? So ist das Werkder Religion beschaffen, dos er am Kreuze vollbrachthat. Konnte der ewige Vater wohl unter den Men-schen oder Engeln einen Gehorsam finden, der demGehorsame seines vielgeliebten Sohnes gleich käme,der sein Leben freywillig hingab, um seinem Vater zugefallen, da ihm doch dasselbe niemand entreißen konnte?
Was