Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
438
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4Z8 Bischof Bessuets Einleitung

^ ^ es alles ohne Untersuchung annahm, was ihm EsraNe^^'s." in die Hände gab: Wie sollten wir alles dasjenige'i> ansehen, was Esra in seinem Buche, und Nehemia ,sei«? Zeitgenosse, in dem scinigen von den heiligenSchrif-ten gesagt haben? Mit welcher Verwägenheit un-terstunden sich Esra und Nehemia / in so vielen Stellenund so öffenrlich von dem Gesehe Mosis, als von ei-ner c chrifc zu reden, dab aller Welt bekannt, und in allerHanden wäre? Das ganze Volk Handelle so natürlichnach diesem Gösche, als wenn es ihm. beständig bekannt-Chr.zs,-». gewesen wäre; wie soll man denn diefts ansehen? WieNch. i, i. kam es denn, daß das gam,e Volk nach seiner Wieder-kunft die Erfüllung der Weißagung des Propheten,Jeremias, welche die siebzig Wochen der Gefangen-schaft berraf, so sehr bewunderte? Wie kam es denn,daß dieser Jeremias, welchen Esra mit den andernPropheten vor kurzer Zeit erst geschmiedet hatte, aufeinmal Glauben fand? Durch welchen neuen Kunst-griff hat man ein ganzes Volk, und vornehmlich dieAlten, die diesen Propheten noch gesehen hatten, bere-den können, daß sie bestandig auf die in seinen Schrif-ten verhcißns wunderbare Errettung gehofft hätten?Allein man wird sich aus diesen Zweifeln bald heraus-finden; man wird nur annehmen, daß Esra und Ne-hemia die Geschichte ihrer Zeiten nicht geschriebenhaben; daß sie von einem andern in ihrem Na-men verfertigt worden sind. Man wird sagen, die-jenigen, welche alle übrigen Bücher des alten Testa-mentes erdichtet hatten , wären so glücklich bey derNachkommenschaft gewesen, daß ihnen andre Betrü-ger Bücher zugeeignet hätten, um ihrem Betrüge Glau-ben zu verschaffen.

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