Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
439
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in die allgemeine Geschichte. 459

Man wird sich ohne Zweifel solcher ausschweifen-den Einwürfe schämen; man wird vielleicht nicht sagen:Esra hätte auf einmal so viele Bücher von so verschied-nen Charakteren der Schreibart und der Zeit erscheinenlassen; man kann aber vorgeben, daß Esra vielleichtWeißagungen und Wunder eingeschoben habe, die ih-nen ein göttliches Ansehen zuwege bringen. Alleindieser Irrthum ist noch gröber und unverschämter, alsder vorige. Denn diese Wunder und Weißagungensind in allen diesen Büchern so sehr ausgebreiter, so ofteingepragt,und so oft, und unter so vielen siarkenFigurenund Gestalten wiederholt, und haben eine so genaueVer-bindung mit dem Ganzen, daß man niemals diese hei-ligen Bücher aufgefchlagen haben müßte, wenn mannicht sehen wollte, daß es viel leichter gewesen wäre,sie ganz umzuschmclzen, als Dinge einzuschieben, diedie Ungläubigen mit einem so großen Unwillen darin-nen antreffen. Und wenn man ihnen auch alles ein-räumte, was sie verlangten, so gehört das Wunderba-re und Göttliche so sehr zum Wesen dieser Bücher,daß man es darinnen antreffen würde, so ungern manes auch finden wollte. Esra soll, weil man es so ha-ben will, Weißagungen von Dingen, die zu seinerZeit geschehen sind, erst eingeschobcn haben, nachdemsie sich schon zugetragen; wer wird denn die Prophezey-ungen, die seit der Zeit in so großer Anzahl erfülltworden sind, hinzugesetzt haben? Vielleicht hat Gott dem Esra die Gabe zu weißagen gegeben, damit derBetrug des Esra glaubwürdig seyn möchte; man wirdalso lieber einen Betrüger, als einen JesaiaS, einenJeremias , einen Daniel zum Propheten haben wol-len; oder vielleicht hat ein jedes'Jahrhundert einen soglücklichen Betrüger erzeugt, dem das ganze Volk ge,

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