Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
440
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44-2 Bischof Bossuets Einleitung

glaubt Hit, und es werden immer neue Betrüger ge-kommen seyn, welche aus einem bewundernswürdi-gen Eifer für die Religion ohne Aufhören noch etwaszu den heiligen Büchern hinzugesetzt haben; daswird noch nach der Zeit geschehen seyn, als der Ca-non geschlossen wurde, und sich die heiligen Schriftenmit den Jüden in der Zerstreuung auf der ganzen Er«de, in den Originalen sowohl, als in den Uebersetzun-gen in fremde Sprachen, überall ausbreiteten. Würdenicht dadurch die Religion von Grundaus zerstörtwor-den seyn, wenn sie auf eine so gewaltsame Weise ein-geführt werden sollen? iaßt denn ein ganzes Volkdasjenige, was es für göttlich halt, so leicht verän-dern/ es mag nun Irrthum oder Vernunft seyn, war-um es dasselbe für göttlich halt? Wenn iemand nur eineinziges Capitel zu dem Evangelio, oder zum Alkoranehinzusetzen wollte, könnte er sich wohl Hoffnung ma-chen, die Christen oder die Türken zu bereden, es ge-hörte dieses Capitel zum Evangelio oder zum Alko-rane? Allein vielleicht waren die Jüden hierinnen ge-lehriger, als andre Völker, und vielleicht bezeigten sienicht so viel Ehrfurcht gegen ihre heiligen Bücher?Was für ungeheure Meynungen musi man sich nichtbereden lassen, wenn man das Joch des göttlichen Anse-hens abwerfen, und seine Meynungen, und seine Sittennur nach seiner verirrten Vernunft einrichten und re-gieren will!

Man sage nicht, daß die Untersuchung dieser Din-ge so schwer sey. Denn wenn sie es seyn sollte, somuß man sich entweder an das Ansehen der Kirche,und an die Tradition so vieler Jahrhunderte halten,oder die Untersuchung so weit treiben, als nöthig ist,und nicht glauben, daß man davon freykomme, wenn

man