444 Bischof Bsssmts Einleitung
geschoben haben? Man muß gerade das Gegentheildaraus schließen. Die Abweichungen des samarita-nischen Textes dienen nur zur Bestätigung dessen, waswir schon festgesetzt haben, daß ihr Text mit dem jü-dischen ganz und gar keine Gemeinschaft hat. Weitgesehlt daß man sich einbilden könnte, diese Abtrün-nigen hatten etwas von den Juden und vom Esra an-genommen , so sehen wir vielmehr das Gegentheil, in-dem sie ans Haß gegen den ersten und andern Tem-pel ihren Traum von dem Berge Garizim erdichtet ha-ben. Wer sieht nlso nicht deutlich daraus, daß sie lie-ber die Juden des Betruges beschuldigt haben, als ih-nen gefolgt seyn würden. Diese Rebellen verachtetenden Esra und alle Propheten der Juden mit ihremTempel/ den Salomo erbaut hatte, und zu dem vomKönige David der Ort abgezeichnet worden war. Wasehrten sie denn am Pentateuchus, als ein Alterthum,das sich nicht allein weiter, als Esra und die Prophe-ten, sondern auch weiter noch, als Salomo und Da-vid , erstreckte, mit einem Worte was ehrten sie, alsdas Alterthum Mosis, das beyde Völker einräumten?Wie unstreitig ist also nicht das Ansehen Mosis undseiner fünf Bücher, da es alle Einwürfe nur mehr be-festigen müssen!
Woher kömmt es aber, daß die Texte und die Ue-bersehungen so weit von einander abweichen? Woherkommen sie, als von dem Alterthume des Buches selbst,welches durch die Hände der Abschreiber so viele Jahr-hunderte hindurch gegangen ist, in welchen die Sprache,worinnen die Schrift verfaßt worden, aufgehört hut,ei-ne gemeine bekannte Sprache zu seyn ? Wir wollen aberdiese nichtswürdigen eitlen Streitigkeiten vorbeylassen,und mit einem Worte alle Schwierigkeiten von Grund-
aus