Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
457
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in die allgemeine Geschichte. 457

erfüllt wird. Sie erwarten ihn, und beweisen durch ihreHoffnung, daß er immer vergebens erwartet worden ist.Ihre eignen Bücher verdammen sie,und dadurch bekräf-tigen sie die Wahrheit der Religion; sie tragen, so zu sa-gen, die ganze Folge derselben auf ihrer Stirne geschrie-ben; man übersieht mit einem Blicke, was sie gewesensind, warum sie noch so sind, wie man sie sieht, und zuwelchem Ende sie erhalten werden.

'Es zeigen also vier oder fünfBegebcnheitcn, die soauthentisch, und so deutlich, als die Sonne, sind, daßunsre Religion so alt, als die Welt selbst ist. Folg-lich beweisen sie auch, daß sie keinen andern Urheber,als den Schöpfer der Welt hat, der, weil er alles inseinen Handen trägt und erhalt, allein eine Einrichtunganfangen und ausführen können, welche alle Jahr-hunderte begreift.

Man darf also nicht mehr darüber erstaunen, daßuns Gott so viele Dinge zu glauben befiehlt, die seinerso würdig, und zugleich dem menschlichen Verständeso unerforschlich sind. Man muß vielmehr darübererstaunen, daß es in der Welt noch so viele Blinde uudUngläubige giebt, da sich der Glaube auf ein so un-wandelbares und deutliches Ansehen gründet.

Unsre unordentlichen Leidenschaften, unsre so starkeNeigung zum Sinnlichen, und unser unüberwindli-cher Hochmuth sind die Ursachen davon. Wir wol-len lieber alles wagen, als uns zwingen; wir wollenlieber in unsrer Unwissenheit, wie stillstehende Wasser,verderben; als dieselbe gestehen; wir wollen lieber ei-ner eiteln Neubegierde genug thun, und lieber un-serm ungelehrigen Geiste die Freyheit erhalten , alleszu denken, was uns gefällt, als uns unter das Joch desgöttlichen Ansehens begeben.

Ff 5 Da-