Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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458
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458 Bischof Bossuets Einleitung

Daher giebt es so viel Ungläubige, und Gott läßtsolches zum Unterrichte seiner Kinder zu. Ohne dieBlinden, ohne die Wilden, ohne die Ungläubigen, diewir selbst im Schooße des Christenthumes antreffen,würden wir vielleicht die tiefe Verderbniß unsterNcttur,und den Abgrund nickt erkennen, aus welchem unsJesus Christus gezogen hat. Wenn seiner heiligenWahrheit nicht widersprochen worden wäre/ so wür-den wir das Wunder nicht sehen, durch welches sie un-geachtet aller dieser Widersprüche beständig erhaltenwird, und wir würden endlich vergessen, daß wir ausGnaden selig werden. Iht aber macht der Unglaubeder einen die andern demüthig, und die Rebellen, wel-che sich den Absichten und Einrichtungen Gottes wi-dersetze»/ machen, daß Gottes Gewalt herrlich wird,durch welche er allein, ohne Beyhülfe eines andernDinges, der Kirche die Verheißungen erfüllt, die erihr gethan hat.

Was verziehen wir denn, uns ihm zu unterwerfen?Wollen wir daraufwarten, daß er neue Wunder thun,sie durch die Fortsetzung kraftlos machen, und unsre Au-gen daran gewöhnen soll, wie sie an den Lauft er Sonne,und an alle andern Wunder der Natur gewöhnt sind?Oder warten wir, bis die Hartnäckigen und Gottlosenschweigen? Bis die rechtschaffnen Männer und dieFreygeister zugleich die Wahrheit bezeugen? Bis dieganze Welt dieselbe einmüthig ihren Leidenschaften vor-zieht? Bis die falsche Wissenschaft, die sich bloß durchihre Neuheit in Ansehen bringt, die Menschen zu hin-tergehen aufhört ? Ist das nicht genug, wenn wirsehen, daß man die Religion nicht bestreiken kann, oh-ne mit erstaunlichen Ausschweifungen darzuthun, daßman keinen gesunden Verstand mehr hat, und daß

man