Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
465
Einzelbild herunterladen
 

in die allgemeine Geschichte. 465

stund, und eine unzählbare Menge Volks, unter dersich die mächtigsten Römer befanden, weder durch dieVerkündigung des Evangelii.noch durch eine sichtbareErfüllung der alten Prophezeyungen,noch durch die Be-kehrung des größten Theils des römischen Reiches, nochdurch die Bekehrung der Kaiser, deren Verordnungendem Christenthums günstig waren, aus ihren Irrthü-mern gerissen werden. Sie fuhren vielmehr fort,die Kir-che Jesu Christi zu lästern,und sie nach dem Exempel ih-rer Väter wegen alles des Unglückes, welches das Reichbetraf, anzuklagen, und sie stunden immer bereit, die al-ten Verfolgungen zu erneuern, wenn sie nicht durchdie Kaiser wären zurückgehalten worden. In diesemZustande befanden sich die Sachen der Religion nochim vierten Jahrhunderte, da Constantin schon hundertJahre todt war, als Gott an die blutigen Verordnun-gen des Senats wider die Gläubigen, und zugleich andas wütende Geschrey gedachte, wovon das römischeVolk, das nach dem Blute der Christen durstete, sooft die Amphitheater erschallen lassen. Er überliefer-te also diese Stadt den Barbaren, die, wie Johannessagt, vom Blute der Märtyrer trunken war. Offenb.i?,«.Gott erneuerte an ihr die schrecklichen Gerichte, die ervordem über Babylon ergehen lassen: Rom selbstwurde mit diesem Namen genannt. Dieses neue Ba-bel, welches das alte nachahmte, und über seine Sie-ge eben so aufgeblasen war, eben so sehr aufseine Reich-thümer trotzte, und sich eben so sehr mit der Abgöttereybefleckte, und das Volk Gottes eben so heftig verfolgehatte, mußte fallen, und Johannes besingt seinen Fall.Der Ruhm seiner Siege, den es seinen falschen Gö-tzen zueignete, wurde ihm genommen; Rom wurde vonden Barbaren beraubt, dreymal oder viermal mitSturm erobert, geplündert, verwüstet, und zerstört.

Gg Das