Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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470
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470 Bischof Bossuets Einleitung

Denn eben der Gott, welcher die wunderbare Einrich-tung und den ganzen Zusammenhang der Welt gemachthat, der durch sich selbst allmächtig ist, hat auch der Ord-nung wegen haben wollen, daß ein ieder Theil einesso großen Ganzen von dem andern abhängen sollte.Eben dieser Gott wollte, daß in dem Laufe der mensch-lichen Dinge eine gewisse Folge und ein gewisses Ver-hältniß seyn möchte: Ich will sagen, daß alle Men-schen und Nationen Eigenschaften gehabt haben,die der Höhe gemäß waren, zu welcher sie Gott be-stimmte. Es ist auch, gewisse außerordentliche Bege-benheiten ausgenommen, in welchen Gott allein seinenFinger zeigen wollte, keine einzige große Veränderungvorgefallen, welche nicht ihre Ursachen in den verfloß-mn Jahrhunderten gehabt hätte.

Und wie in allen Begebenheiten etwas ist, das sievorbereitet, das die Menschen bestimmt, sie zu unterneh-men, und das sie von statten gehen läßt: So bestehtdie wahre Wissenschaft der Geschichte darinnen, daßman zu einer ieden Zeit die geheimen Einrichtungen,welche die Vorbereitungen zu den großen Verände-rungen gewesen sind, und die wichtigen Umstände bemer-ke, welche Ursache wurden, daß sie sich zutrugen.

Es ist in der That nicht genug, daß man die gros-sen Veränderungen, die das Schicksal der Reiche ent-schieden haben, nur vor seinen Augen betrachte, undbey ihnen stehen bleibe. Wer in den menschlichenBegebenheiten bis auf den Grund dringen will, mußweiter zurückgehen; er muß die Neigungen, die Sit-ten, und mit einem Worte den Charakter sowohl derherrschenden Völker überhaupt, als ihrer Prinzen ins-besondre, und endlich alle außerordentlichen Männerkennen lernen, welche durch die Wichtigkeit der Rolle,