476 Bischof Bossuets Einleitung
daß man nicht unempfindlich gegen dasselbe seyn kann.Die Gesetze der Aegypter waren ungekünstelt, voll Bil-ligkeit, und geschickt, die Bürger unter einander inoioa.i.i. Einigkeit zu erhalten. Derjenige, der einen angefall-nen Menschen nicht errettete, wenn er konnte, wurdeeben so hart bestraft, als der Mörder. Wenn mandenUnglücklichcn nicht retten konnte, so mußte man zumwenigsten den Thäter der Gewaltthätigkeit vov Gerichtanzeigen, und es waren denen harte Strafen gedräut,welche darinnen ihrePflicht versäumteil. Folglich warendie Bürger einer vor dem andern auf seiner Hut, undder ganze Staat vereinigte sich wider die Bösewichter.Es war nicht erlaubt, dem Staate unnütze zu seyn ; dieGesetze zeigten einem reden sein Amt an, und diesespflanzte sich vom Vater auf den Sohn fort» Mankonnte weder zwey Aemter haben, noch seine Profes-sion ändern; allein dafür waren auch alle Profeßio-nen geehrt. Es mußten zwar auch wichtige Aemterund Personen seyn, die viel zu bedeuten hatten; wieetwa ein Leib Augen haben muß. Ihrer Würde wegenaber wurden weder die Füße, noch die niedrigsten Thei-le des Körpers verachtet. So hatten bey den Aegy-ptern die Priester und die Soldaren besondre Ehren-bezeugungeil; allein alle Künste, bis auf die gering-sten, wurden hochgehalten, und man glaubte, daß manein Verbrechen begienge, wenn man die Bürger ver-achtete, die, wer sie auch seyn mochten, etwas zum ge-meinen Besten beytrugen. Dadurch erreichten alleKünste eine gewisse Höhe von Vollkommenheit; dieEhre, welche sie erhielt, mengte sich überall in alles;man that das am liebsten, was man von Jugend aufhatte thun sehen, und worinnen man sich allein vonJugend an geübt hatte.