4Lo Bischof Bossuets Einleitung
Das Königreich war erblich; allein die Königewaren mehr, als andre verbunden, nach den Gesetzenzu leben. Sie hatten ihre besondern Gesetze, welchevon einem Könige in Ordnung gebracht worden wa-ren, und einen Theil ihrer heiligen Bücher ausmach-ten. Man machte zwar den Königen nichts streitig,und niemand war berechtigt, sie zu zwingen; man ver-ehrte sie vielmehr, als Götter; allein eine alte Ge-wohnheit hatte schon alles, in Ordnung gebracht, undsie ließen sichs nicht einfallen, anders, als ihre Vor-fahren, zu leben. Sie litten es also ohne Mühe, daß manihnen nicht allein die Gerichte, sondern auch das Maasvorgeschrieben hatte/ wie viel sie essen und trinken soll-ten ; denn das war in Aegypten etwas gewöhnliches,wo jedermann maßig war, und die Luft des Landes dien-r°-,. ii. Mäßigkeit, so zu sagen, iedem einflößte.. Es waren auchz.vä.i. 5.-. ^ Königen alle Stunden zu besondern Verricht«»gen ausgesetzt. Wenn sie früh am Tage erwachten,wo der Geist am reinsten und die Gedanken am lau-tersten sind, so lasen sie ihre Briefe, um eine destorichtigere und genauere Kenntniß von den Angelegen-heiten zu erhalten, welche sie zu besorgen hatten. So-bald sie angekleidet waren, giengen sie in den Tem-pel, zu opfern. Daselbst waren sie in der Gegenwartdes ganzen Hofes, wenn das Opfer am Altare stund,bey einem lehrreichen Gebete zugegen, worinnen derHohepriester die Götter bat, dem Könige alleköniglichen Tugenden zu verleihen, damit er so-wohl gegen die Götter, als gegen die Menschen vollReligion, mäßig, gerecht, großmüthig, aufrichtig,und den Lügen abgeneigt, freygebig, Herr über sichselbst seyn, und weniger bestrafen, als belohnen möch»ts. Der Hohepriester redete darauf von den Fehlern,
welche