488 Bischof Bossuets Einleittmg
scheinen, daß sie die Ehre der größten Werke beschä-men sollen. Vier Alleen, die man nicht übersehenkann, und auf der einen und andern Seite mit Sphyn-re endigen, welche sowohl wegen der raren Materie,woraus sie verfertigt worden sind, als wegen ihrerGröße Bewunderung verdienen, sind die Zugänge zubedeckten Spahiergängen, deren Hohe die Augen inErstaunen seht. Was für eine Pracht! Was für ei-ne Größe! Diejenigen, von denen dieses erstaunlicheGebäude beschrieben worden ist, haben nicht die Zeitgehabt, dasselbe ganz zu umgehen, und sie sind nichteinmal gewiß, ob sie die Hälfte davon gesehen haben;allein alles, was sie davon haben sehen können, ist er-staunlich. Ein Saal, welcher ohne Zweifel die Mit-te des Pallastes ausmachte, wurde von sechs undzwanzig Seulen unterstützt, welche so dick waren, daßsie von sechs Armen nicht umspannt werden konnten,und nach dem Verhältnisse eben so groß waren; diesewaren mit Obelisken untermengt, welche so viele Jahr-hunderte nicht umstürzen können. Die Farben selbst,welche doch die Macht der Zeit am ersten gemeiniglicherfahren müssen, erhielten sich mitten unter den Rui-nen dieses prächtigen Gebäudes, und zeigten noch ihrevormalige Lebhaftigkeit: So sehr wußte Acgypten al-len seinen Werken den Charakter der Unsterblichkeit zugeben! Es ist wahr, der Name des Königes dringtin die unbekanntesten Lander der Welt, und die-ser Prinz läßt die schönsten Werke der Natur undder Kunst aufsuchen, wo er kann; würde es abernickt ein würdiger Gegenstand seiner edlen Neubegier-de seyn, wenn er die Schönheiten, welche Thebais inseinen Wüsten verschließt, entdecken und unsre Bau-kunst mit den Erfindungen Aegyptens bereichern lassen
wollte?