in die allgemeine Geschichte. 489
wollte? Welche Macht, und welche Kunst hat ein sol-ches Land zum Wunderwerke der Welt machen kön-nen? Was für Schönheiten würde man nicht einde-cken, wenn man in die königliche Stadt selbst gelan-gen könnte, da man schon von fernen soverwunderns-würdige Dinge wahrnimmt?
Nur Aegypren allein konnte solche Denkmäler fürdie Nachkommenschaften aufrichten. Seine Obeli-sken machen noch heute zu Tage, sowohl wegen ihrerHöhe, als wegen ihrer Schönheit die vornehmsteZierde der Stadt Rom aus, und die römische Macht,welche die Hoffnung aufgab, den Aegyptcrn gleichzu kommen, hat für seine Größe genug zu thun ge-glaubt, wenn sie die Denkmaler der ägyptischen Kö-nige entlehnte.
Aegypten hatte / außer dem Thurme von Babel,noch keine großen Gebäude gesehen, als es seine Py-ramiden erfand, die sowohl wegen ihrer Gestalt, alswegen ihrer Größe über die Zeiten und die Barbarentn'umphiren. Der gute Geschmack dcrAegypter warUrsache, daß sie Festigkeit, und die bloße Regelmas-sigkcit allein liebten. Leitet uns nicht die Natur selbstzu der edeln Einfalt, zu welcher man nicht ohne diegrößte Mühe zurückkehren kann, wenn der Geschmackeinmal durch Neuheiten und wunderliche Verwägcn-heiten verderbt worden ist? Die Aegypter liebten nureine regelmäßige Kühnheit; sie suchten das Neueund Erstaunliche nur allein in der unendlichen Man-mchfaltigkeit der Natur, und sie rühmten sich, die ein-zigen zu seyn, welche, wie die Götter, unsterbliche Wer-ke gemacht hätten. Die Aufschriften ihrer Pyrami-den sind so edel, als das Werk selbst. Sie redete»die Zuschauer an. Eine von diesen Pyramiden, wel-
Hh 5 che