Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
505
Einzelbild herunterladen
 

in die allgemeine Geschichte. 525

der ganz erstaunlichen Höhe des Tempels des Belwieder erneurt werden sollte, und daß Nebucadnezardem Himmel von neuem zu bedrohen dächte. Ob-gleich sein Hochmuth durch die Hand Gottes gedemü-chigt war, so lebte er doch in allen seinen Nachkom-men wieder auf. Sie konnten um sich herum keineandre Macht leiden, und weil sie alles unter ihr Jochbringen wollten, wurden sie den benachbarten Völkernunerträglich. Mit diesem Neide vereinigten sich wider siedie Könige der Weder, und die Könige der Perser,und verschiedne andre Völker des Orientes. DerHochmuth verwandelt sich sehr leicht in Grausamkeit.Weil die Könige von Babylon mit ihren Unterthanenunmenschlich umgiengcn, so fielen sowohl ganze Völ-ker, als die vornehmsten Herren ihres Reiches demCyrus und den Meden zu. Babylon, welches all-zusehr gewohnt war, zu befehlen, und zu überwinden,als daß es sich vor so vielen Feinden hatte fürchten sol-len, die sich alle wider seine Herrschaft verschworenhatten, Babylon, sage ich, wurde den Medern, diees unter sein Joch bringen wollte, zu der Zeit dienstbar,da es sich für unüberwindlich hielt, und gieng endlichdurch seinen Hochmuth zu Grunde.

Das Schicksal dieser Stadt war wunderbar, weilsie durch ihre eignen Erfindungen untergieng. DerEuphrat that in seinen weitläufigen Gegenden baldeben die Wirkung, als der Nil; allein ihn nuhbarzumachen, dazu gehörte noch mehr Kunst und Arbeit,als Aegyvten bey seinem Nile nöthig hatte. Der Eu-phrat floß in seinem Laufe gerade fort, und trat nie-mals aus. Man mußte also in; ganzen Lande eine un-zahlige Menge Canäle graben, damit er die Gegen-den wässern konnte, wodurch denn di« Frucht-

Ji 5 bar-