5l2 Bischof Bossuets Einleiruilg
Aufseher über die Bauerarbeitsn geseht: Das warenzwey Aemter, die mit einander viel Aehnliches hatten;eins war dazu bestimmt, das Land zu bewahren, unddas andre, dasselbe anzubauen. Der König schütztesie mit einer fast gleichen Gnade, und beyde mußten zurBeförderung des allgemeinen Bestens dienen.Nach de-nen,welche im Kriege einige Vortheile vor andern davontrugen, waren die geehrtesten diejenige»,welche viel Kin-der erzogen hatte«. Die Ehrfurcht, die man den Per-fern von Kindheit auf für die königliche Hoheit und Ge-walt einflößte, gieng bis zur Ausschweifung, weil siedie Anbetung darein mengten, und sie schienen mehrSklaven, als vernünftige Unterthanen eines gesetzmäs-slgen Reiches zu seyn. Dieses brachte die Gemüthsartder Morgenlander mit sich, und vielleicht verlangte dienatürliche Lebhaftigkeit und Heftigkeit dieses Volkeseine noch unumschränktere und stärkre Regierung.
Die Art, wie man die jungen Prinzen erzog, wirdvom Plato bewundert, und den Griechen als ein Mu-ster einer vollkommnen Erziehung vorgestellt. Imsiebenten Jahre wurden sie von den Verschnittnenweggenommen, und man lehrte sie reiten, und übtesie auf der Jagd. Wenn sie das vierzehnte Jahr er-reicht hatten, wo sich der Geist auszubilden anfangt,so gab man ihnen viere von den weisesten und tugend-haftesten Männern in Persien zu ihren Lehrern. Dererste, sagt Plato , lehrte sie die Magie, oder nach ihrerSprache,die Verehrung der Götter, die nach ihren altenMeynungen und vornehmlich nach den Gesetzen des Zo-roasters, eines Sohnes des Oromasus, eingerichtet war.Der andre Hofmeister mußte sie gewöhnen,dieWahrhcitzu sagen,und die Gerechtigkeit zu handhaben. Der drittelehrte sie, daß sie sich durch die Wollüste nicht überwin-den