Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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514
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514 Bischof Bofsuets Einleitung

Ordnung unter den Völkern,die Ordnung aufden Heer-zügen und in den Lägern, und eine gewisse Allführungthun kann, durch welche diese großen Körper, ohne Ver-wirrung, und zur rechten Zeit in Bewegung gesetztwerden. Sie glaubten, alles ausgerichtet zu haben,wenn sie, ohne Wahl, ein unzähliges Volk versammelthatten, das zwar herzhaft guuig, aber ohne alle Ord-nung in den Streit zog, und mit einer unzählbarenMenge unnützer Personen belastet war, die der Königund die Großeil, bloß zu ihrem Vergnügen, mit sich nah-men. Denn ihre Weichlichkeit war so groß, daß siebey der Armee eben die Pracht, und eben die Ergctz-lichkeiten finden wollten, die sie an den Oertern genos-sen, wo sich der Hofordentlicher Weise aufhielt.Die Kö-nige hatten also stets alle ihre Gemahlinnen, alle Bei-schläferinnen, ihre Verschnittnen und alles bey sich,was zu ihrem Vergnügen dienen konnte. Das Gold,die Silbergeschirr, und die kostbarsteil Gerärhschaf-ten folgten in allem Ucberfluise, und kurz mit alleindem Trosse nach, den ein solches Leben verlangt. Ei-ne solche Armee, die schon allein durch die unzähligeMenge der Soldaten in Verwirrung war, wurde nochdazu durch die ungeheure Anzahl von denen beschwert,welche nicht mit stritten. Bey einer solchen Unord-nung konnte die Armee in ihren Bewegungen unmög-lich einstimmig seyn; die Befehle kamen niemals;urechter Zeit, und in einer Schlacht gieng alles, wiees gieng,ohne daß iemand im Stande war, dieser Unord-nung abzuhelfen. Man muß dieses noch hinzusetzen,daß der Feldzug bald geendigt, und ein Land sehr ge-schwind durchzogen werden mußte; denn ein so unge-heurer und begieriger Körper verzehrte in kurzer Zeitalles, nicht allein was zum nöthigen Unterhalte des

Leibes/