5l6 Bischof Bossuets Einleitung
Allein Griechenland besaß noch etwas größers, einegewisse und vorsichtige Staatsklugheit, welche in dieZukunft hinaus sah, und bald nachzugeben, zu wagen,und sich zu vertheidigen wußte,wo es ihnen nöthig zu seynschien; das Größte, was Griechenland furchtbar mach-te, war ein Muth, den die Liebe zur Freyheit undzum Vaterlande unüberwindlich machte.
Die Griechen, die von Natur voll Verstand undMuth waren, hatten das Glück gehabt, bey Zeiten vonden Königen und den Colonien aus Aegyptcn gebildet zuwerden, die sich in den ersten Zeiten an verschiednen Or-ten niedergelassen, und die herrliche Policen der Aegypterüberall ausgebreitet hatten. Von ihnen hatten sie die Lci-beSübungen^asRingeN/denWettlaufzuFuße^ieWctt-rennen zu Pferde und mit dem Wagen, und die an-dern Leibesübungen, welche sie durch die ruhmvollenKrönungen der Ueberwinder in den olympischen Spie-len zur Vollkommenheit brachten. Allein das Beste,was sie von den Aegyptern gelernt hatten, war dieses,daßsie nachgaben,und sich zum allgemeinen Besten durch dieGesetze willig bilden ließen. Das waren nicht Privatper-sonen,diemiraufihre?lngelegenheitendenken,unddieUe-bel des Staates nicht eher empfinden, als wenn sie selbstdarunter leiden, oder wenn die Ruhe ihrer Familienge-stört wird. Die Griechen waren gelehrt worden, sich undihre Familien als Theile eines größern Körpers anzu-sehen , welcher die Republik war. Die Vater erzo-gen die Kinder in dieser Neigung, und diese lerntenvon ihrer Wiege an, das Vaterland als ihre allgemeineMutter betrachten, der sie noch mehr, als ihren Acltemangehörten. Das Wort, poliresse, bedeutete beyden Griechen nicht allein die Freundlichkeit, und diebeyderseitigeAchtung gegen einander, welche die Men-