5ZO Bischof Bossuets EinleitUtlg
Sie haben gesehen, Nlonseigneur, wie sein Reichgetheilt worden ist , und der schreckliche Untergang sei-ner Familie ist ihnen nicht unbekannt. Macedouien,sein altes Königreich, wo seine Vorfahren so vieleJahrhunderte hindurch die Herrschast geführt hatten,wurde von allen Seiten, als ein erledigtes Reich, ange-fallen, und nachdem es lange Zeit ein Raub des Mäch-tigsten gewesen war, kam es endlich an eine andre Fa-milie. Also war dieser große Eroberer, d->r unter al-len der Berühmteste gewesen ist, der Letzte seines Ge-schlechtes. Wenn er in Macedonien ruhig gebliebenwäre, so würde die Größe seines Reiches seine Feld-herren in keine Versuchung geführt haben, sich dessenzu bemeistcrn, und er hatte seinen Kindern sein vä-terliches Reich hinterlassen können. Allein weil er all-zumächtig war, so war er an dem Untergange allerder Seinigen Ursache, und das war die herrlicheFrucht seiner Eroberungen.
Sein Tod war allein an dieser großen VeränderungUrsache. Denn das muß man zu seiner Ehre geste-hen, daß niemals ein Mensch fähiger gewesen ist, ein soweitläuftiges, obgleich nicht lange erobertes Reich zubehaupten, als Alexander, weil ev einen eben so großenVerstand, als Muth besaß. Man muß also den Fallseines Hauses nicht seinen Fehlern, so groß auch eini-ge gewesen sind, sondern allein der Sterblichkeit zu-schreiben; man wollte denn sagen, daß ein Mensch vonseiner ehrgeizigen Gemüthsart, der bestandig auf neueUnternehmungen umgieng, niemals Zeit gehabt ha-ben würde, seine Angelegenheiten in eine beständigeund dauerhafte Ordnung zu bringen.
Dem