5Z2 Bischof Bossuets Einleitung
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Bon dem romischen Reiche.
(^^ndlich sind wir auf dieses große Reich gekom-men, das alle Reiche der Welt, so zu reden,verschlungen hat; aus welchem die größten Königreicheder Welt entstanden sind, die mir bewohnen, und de-ren Gesetze wir verehren, und das wir also besser, alsalle andern Reiche kennen lernen müssen. Sie wis-sen, Monseigneur, daß ich von dem römischen Rei-che rede. Sie haben die lange und merkwürdige Ge-schichte desselben in ihrem Zusammenhange übersehen.Damit sie aber die Ursachen von der Aufnahme desrömischen Reiches, und der großen Veränderungendieses Staates desto besser einsehen mögen, so richtensie ihre Aufmerksamkeit theils auf die römischen Sit-ten, theils auf die Zeitpunkte, von denen alle Ver-änderungen dieses großen Reiches abhängen.
Das römische Volk ist unter allen Völkern derWelt das trotzigste und kühnste, zugleich aber in seinenEntschließungen das vorsichtigste und ordentlichste, inseinen Grundsaßen das beständigste, das verschlagenste,das arbeitsamste, und das gedultigste Volk gewesen.
Aus allem diesen ist die beste Kriegsverfassung unddie weiseste, und beständigste Staatskunst gebildet wor-den, die am besten mit sich selbst in allem zusammen«gestimmet hat.
Der wesentlichste Charakter eines Römers, wennich mich so ausdrücken darf, war die Liebe zu seinerFreyheit, und zu seinem Vaterlande. Er liebte einswegen des andern; denn weil er seine Freyheit liebte,so
liebte