Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
537
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in die allgemeine Geschichte. 557

Stadt abführten, hatten eine Pracht, welche unglaub-lich scheinen würde, wenn sie nicht durch die Geschicht-schreiber und die Trümmer,die noch davon übrig sind,be-slätigt würde. Was soll ich von dem Pompe derTriumphe, von den Ceremonien der Religion, von denSpielen, und Schauspielen sagen, die man, dem Volkezu gefallen, gab? Mit einem Worte, alles, was dieRepublik angicng, was den Völkern eine große Vor- vion.n»l.stellung von ihrem gemeinen Vaterlande machen konn- ^-^-^te, wurde mit einem solchen Ueberflusse erbaut, alsdie Zeiten zulassen wollten. Die Sparsamkeit herrsch-te nur in den Privatfamilien. Derjenige, welcherseine Einkünfte vermehrte, und seine Ländereyen durchseinen Fleiß und durch seine Arbeit am fruchtbarstenmachte, welcher der beste Haushalter war, und sicham meisten abdarbte, hielt sich für den freysten, denmachtigsten, und glücklichsten Bürger.

Nichts ist von einem solchen Leben entfernter, alsdie Weichlichkeit. Es neigte sich mehr zu einer an-dern Ausschweifung, nämlich zu einer allzugroßenHarte. Es hatten auch die Sitten der Römer vonNatur nicht allein etwas Rauhes und Strenges, son-dern auch etwas fast Ungeschlachtes und Wildes ansich. Unterdessen vergaßen sie gleichwohl nicht, sichselbst nach guten Gesetzen zu richten, und das römischeVolk, das unter allen Völkern am meisten über seineFreyheit hielt, war zugleich am bereitwilligsten, sichseiner Obrigkeit und einer gesetzmäßigen Gewalt zuunterwerfen.

Die Kriegsverfassung eines solchen Volkes mußteunvergleichlich seyn, weil sich ein genauer und richti-ger Gehorsam mit einem unerschrocknen Muthe, undmit einem starken Körper vereinigte.

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