Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
543
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in die allgemeine Geschichte. 54z

Sie haben sich auch unter allen Verfassungen ihrerRegierung mit keiner Sache so sehr gerühmt, als mitihrer Kriegözucht. Sie haben dieselbe bestandig, alsden Grund ihres Reiches angesehen. Die Kriegs-zucht ist die erste Verfassung des römischen Staates,und auch die letzte gewesen, welche verlohren gieng, sogenau war sie mit der ganzen Einrichtung ihrer Re-publik verbunden.

Eine von den vortrefflichen Einrichtungen der römi-schen Miliz war diese, daß man die falsche Tapferkeitnicht lobte. Die Grundsäße Verfälschen Ehre, wel-che den Untergang so vieler Menschen unter uns ver-ursacht haben, waren bey dieser so ehrgeizigen Nationnicht einmal bekannt. Man merkt von dem Scipiound Cäsar , diesen beyden vornehmsten und tapferstenHelden an, daß sie sich allezeit sehr vorsichtig, lind nuralsdann, wenn es die höchste Noth crsodcrte, in dieGefahr begeben haben. Man erwartete von einemFeldherrn nichts Gutes, der die Sorge nicht kannte,die er der Erhaltung seiner Person schuldig war, undverspätte die Thaten einer außerordentlichen Kühnheitallemal zu wirklichen Diensten. Die Römer wagtenkeine Schlacht auf ein bloßes Glück, und verlangtenkeine Siege, die allzuviel Blut kosteten, so daß kei-ne Armeen zugleich muthiger und vorsichtiger waren,als die römischen Kricgsheere.

Allein wie es nichr genug ist, daß man den Kriegverstehe, wenn man keinen weisen Rath hat, der ihnzu gelegner Zeit zu unternehmen und im Staate selbsteine gute Ordnung zu erhalten weis: So muß ich sie,Hwnseiyneur, nunmehr auch mit der tiefen Politikdes römischen Senates bekannt machen. Wenn manihn in den guten Zeiten der Republik betrachtet, so ist

niemals