Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
550
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550 Bischof Bossuets Einleitung

Empfindungen, und eine große Meynung von ihrenRathschlägen beybrachte, und überzeugt war, daß derRuhm die sicherste Stütze eines Staates sey.

Man kann denken, daß bey einem Volke, welchesso weislich regiert wurde, Strafen und Belohnungenmit einer großen Sorgfalt angeordnet gewesen sind.Außerdem, daß die Verdienste und die eifrigen Be-mühungen für das Beste des Staates die sicherstenWege zu den Aemtern waren: So waren auf die Tha-ten im Kriege Belohnungen gesetzt, weiche der Re-publik nichts kosteten, und einem ieden doch unendlichlieb waren, weil man die Ehre damit verbunden hat-te, die dieses kriegerische Volk so sehr liebte. Eine sehrkleine goldne Krone, und sehr oft nur eine Krone vonEichenlaub, oder Lorberblattern, oder von einer nochweit geringern Pflanze war unter den Soldaten un-schätzbar, die keine andre Ehre, als die Ehre der Ta-pferkeit kannten, und sich nicht edler zu unterscheidenwußten, als durch rühmliche Thaten.

Der Senat, dessen Beyfall statt einer Belohnungwar, wußte zu loben und zu tadeln, wo es nöthig war.Gleich nach dem Streite lobten oder tadelten dicCon-suln und andre Feldherren die Soldaten und ihreAn-führer,wie sie verdienten^ öffentlich; sie selbst aber er-warteten voll Ungewißheit das Urtheil des SenateS,wel-cher bloß nach der Weisheit ihrer Anschlage urtheilte,ohne sich von dem Glücke des Erfolges blenden zu lassen.Die Lobeserhebungen waren ihnen kostbar, weil siemit Weisheit ertheilt wurden; der Tadel aber gienggroßmüthigen Seelen außerordentlich nahe, und er-hielt die Feigsten in ihren Pflichten. Eben so er-hielten die Strafen, die auf schlechte Thaten erfolg-ten, die Soldaten in Furcht, da hingegen die Ehre