Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
551
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in die allgemeine Geschichte. 551

und die Belohnungen, die so gerecht ausgetheilt wur-den, sie über sich selbst erhuben.

Wer den Gemüthern eines Volkes die Ehre, dieGedult, keine Arbeit zu scheuen, die Größe der Na-tion/ und die Liebe zum Vaterlande beybringen kann,der kann sich rühmen, diejenige Verfassung einesStaates gesunden zu haben, welche die geschicktesteist, große Männer hervorzubringen. Die großenMänner sind es unstreitig, auf welche die Starke ei-nes Reiches ankömmt. Die Natur laßt in allen Lan-dern Geister von einem erhabnen Verstände und Mu-the gebohren werden; allein man muß ihnen aufhel-fen, damit sie sich ausbilden können. Was sie bildetund vollkommen macht, das sind die großen Grund-sätze und edlen Empfindungen, die sich in allen Ge-müthern ausbreiten und unvermerkt von dem einenzum andern fortpflanzen. Was macht unfern Adel sotapfer in den Schlachten, und so kühn in seinen Un-ternehmungen? Das ist die Meynung, die ihnen inihrer Kindheit eingeflößt wird, und zum allgemeinenGrundsätze der Nation geworden ist, daß ein Edel-mann ohne Muth sich seiner selbst unwürdig machr,und nicht mehr verdient, den Tag zu sehen. Alle Rö-mer waren in diesen Grundsäßen erzogen, und dasVolk stritt mit demAdel, wer mehr nach diesen tapfernGrundsätzen handeln könnte. In den guten Zeilender Stadt Rom wurden die Kinder selbst in den Ar-beiten geübt, und man hörte von nichts anders, alsvon der Größe des römischen Namens reden. Manmußte in den Krieg gehen, wenn es die Republik be-fahl, beständig arbeiten, Winter und Sommer imFelde bleiben, gehorcheil, ohne sich zu widersetzen,sterben oder überwinden. Die Väter, welche ihre