552 Bischof Bossuets Einleitung
Kinder nicht in diesen Grundsäßen erzogen, oder sienicht zum Dienste des Staates tüchtig machten, wur-den von den Obrigkeiten vor Gericht gesodert, undeines Verbrechens wider den Staat schuldig er-klärt. Wenn man einmal angefangen hat, die Völ-ker auf diesen Weg zu bringen, so bilden die großenMänner einer den andern, und wenn Rom mehr gros-se Männer, als eine andre Stadt, erzeugthat, so istdas nicht dem Zufalle zuzuschreiben; die Verfassungdes römischen Staates, die wir itzt betrachtet haben,war so beschaffen, daß er nothwendig an Helden un-gemein fruchtbar seyn mußte.
Ein Staat, der eine Empfindung von einer so voll-kommnen Einrichtung hat, empfindet zugleich, daß ereine außerordentliche Stärke besitzt, und hält sich nie-mals für ganz verlohren. Wir sehen auch, daß die Rö-mer niemals verzweifelt sind,, ihre Angelegenheitenmögen gestanden haben, wie sie wollen; weder zu derZeit, da sie Porsenna , der König von Hetrurien, aus-hungern wollte; nicht damals, da die Gallier, nach-dem sie die Stadt angezündet hatten, ihr ganzes Landüberschwemmten, und sie im Capitale eingeschlossenhielten; nicht zu der Zeit, da Pyrrhus,der König derEpirotcr, der so geschickt, als kühn in Unterneh-mungen war, sie durch seine Elephanten erschreckte,und alle ihre Armeen schlug; auch nicht einmal zu derZeit, da Hannibal , der so oft schon gesiegt hatte, ih-nen noch funfzigtausend Mann ihrer besten Soldatenin der Schlacht bey Cannis schlug.
Dazumal war es, da der Consul, Terentius Var-ro, der durch sein Versehen eine so große Schlachtverlohren hatte, in Rom so empfangen wurde, als ob
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