Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
561
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in die allgemeine Geschichte. 561

Wenn das Urtheil gefällt worden war, daß der Krieggerecht wäre, so ergriff der Senat die nöthigen Maas-regeln zu der Unternehmung desselben; vor allen Din-gen aber wurde eine Gesandlschaft an den unrechtmäs-sigen Besitzer der Dinge, worüber Krieg geführtwerden konnte, abgefertigt, sie gehörig wiederzufodern,und man versuchte erst alle gütliche Mittel, ehe manzum Aeußersten schritt. Ist iemals wohl eine heilige-re Einrichtung gewesen als diese, eine Einrichtung,welche die Christen zur Schamröthe bringen sollte,denen ein Gott, der in die Welt gekommen ist, denFrieden zu stiften, die Liebe und den Frieden nicht ein-flößen können ? Allein was helfen die besten Einrich-tungen, wenn am Ende nur bloße Ceremonien darauswerden? Das Vergnügen, zu überwinden und zuherrschen, verderbte die Römer gar bald, und unter-drückte die Redlichkeit, die ihnen die natürliche Bil-ligkeit gegeben hatte. Die Berathschlagungen der Fe-cialen waren endlich nichts mehr, als unnütze Forma-litäten, und ob sie gleich ihren größten Feinden Be-weise einer großen Billigkeit und selbst einer großenGnade gaben, so ließ doch ihr Hochmuth nicht zu,daß die Gerechtigkeit in ihren Berathschlagungen herr-schen konnte.

Ihre Ungerechtigkeiten waren im übrigen um so vielgefahrlicher, ie besser sie dieselben mit einem scheinba-ren Vorwande zu verbergen wußten. Sie gaben vor,daß sie die Könige und Nationen beschützen wollten,und brachten sie dadurch unvermerkt unter ihr Joch.

Wir können hinzusehen, daß sie gegen diejenigen,welche sich ihnen widersetzten, grausam waren, wel-ches eine sehr natürliche Eigenschaft der Eroberer ist,die wohl wissen, daß sie der Furcht die Hälfte ihrer

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