562 Bischof Bossuets Einleitung
Eroberungen zu danken haben. Muß man die Herr-schaft so theuer erkaufen, und kann das Vergnügen, zubefehlen, so angenehm seyn, daß die Menschen solchesdurch so unmenschliche Handlungen gewinnen wollen?Damit die Römer sich furchtbar machen möchten, sowaren sie sehr besorgt, in den eingcnommnen Städ-ten schreckliche Schauspiele der Grausamkeit zurückzu-lassen, und gegen den unerbittlich zu scheinen, der dieGewalt abwartete, ohne selbst die Könige zu schöner?,die sie unmenschlicher Weise hinrichten ließen, nach-dem sie dieselben mit Ketten beschwert, gleich den Skla-ven, an die Siegeswagen gespannt, und im Triumpheaufgeführt hatten.
Allein so grausam und ungerecht sie in ihren Erobe-ningen waren, so billig beherrschten sie die unterwür-fig gemachten Nationen. Sie suchten ihre Regierungden bczwungnen Völkern angenehm zu machen, undglaubten, daß dieses das beste Mittel wäre, ihre Ero-berungen zu behaupten. Der Senat hielt die Land-pfleger im Zaume; er ließ den Nationen Gerechtigkeitwicderfahren, und diese Versammlung wurde als eineZuflucht der Unterdrückten angesehen. Es waren auchdie Bedrängnisse und Gewaltthätigkeiten unter denRömern nicht bekannt, außer in den letzten Zeiten derRepublik , und die Enthaltsamkeit der obrigkeitlichenPersonen war die Bewunderung des Erdkreises.
Sie waren also nicht solche viehische und geizigeEroberer, welche nur plündern wollen, und ihre Herr»schaft auf den Ruinen der überwundnen Lander auf-richten. Die Römer verbesserten diejenigen allezeit,welche sie bezwängen, indem sie die Gerechtigkeit, denAckerbau, den Handel, und selbst die Künste und