Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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564
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564 Bischof Bossuets Einleitung

Staatskunst hatte durch verschiedne Mittel dafür ge-sorgt, die ich ihnen in wenig Worten erklaren will.

Die römischen Colonien, die fast an allen Seitenihres Reiches errichtet wurden, brachten zwo vortreff-liche Wirkungen hervor. Eine war diese, das; dieStadt^ von einer großen Menge Bürger, wovon diemeisten arm waren, befreyt wurde; die andre Wir-kung war die, daß man die vornehmsten Posten da-durch bewahrte, und die fremden Völker nach und nach«m die römischen Sitten gewöhnte.

Diese Colonien, welche ihre Freyheiten mit sichbrachten, blieben der Republik allezeit ergeben undbevölkerten das ganze römische Reich.

Allein es erhielten außer den Pflanzstädten nochviele andre Städte für ihre Bürger das römische Bür-gerrecht/ und da ihr eigner Nutzen sie mit dem herr-schenden Volke verband, so erhielten sie die benachbar-ten Städte allezeit im Gehorsame.

Endlich kam es so weit, daß sich alle Unterthanendes Reiches für Römer hielten. Die Ehre dieses sieg-haften Volkes theilte sich nach und nach den überwund--nen Völkern mit; der Senat stund ihnen offen, undsie durften so gar nach der Herrschaft streben. Es wa-ren also vermöge der Gnade der Römer alle Nationennur eine Nation, und Rom wurde als das allgemeineVaterland angesehen.

Wie sehr erleichterte nicht diese bewundernswürdigeEintracht aller Völker unter einer Herrschaft die Schiff-fahrt und die Handlung? Alle Menschen waren fastRömer , und wenn man einige Grenzen des Reichesausnimmt, die zuweilen von ihren Nachbaren beun-ruhiget wurden, so genoß der ganze Erdkreis einen voll-kommnen Frieden. Weder Griechenland, noch Klein-asien ,