580 Bischof Bofsuets Einleitung
Nach dem Tode des Caligula hätte der Senat dieFreyheit und die consularische Negierung beynahewiederhergestellt, wenn er nicht durch die KriegSvolkerdaran verhindert worden wäre, welche eil, beständiqcsOberhaupt verlangten, das eine uneingeschränkte Machthaben sollte.
Wahrend den Empörungen, welche die Gewalt-thätigkeiten des Nero verursachten, erwählte sich eineiede Armee einen Kaiser, und die Soldaten lerneneinsehen, daß es auf sie ankömmt, wer herrschen soll.
Sie schweifen so weit aus, daß sie die oberste Ge-walt so gar öffentlich feilbieten, und sich darangewöh-nen , das Joch abzuwerfen. Mit dem Gehorsamegeht die Kriegszucht ein. Die guten Prinzen gebensich vergebliche Mühe, sie zu erhalten, und ihrEifer, die alten Ordnungen der römischen Mili^zu behaupten, seßt sie nur der Wut der Soldatenbloß.
Indem sie mit den Kaisern solche Veränderungenvornehme»/und eine iede Armee einen machen will,so kommen daher bürgerliche Kriege, in welchen er-staunlich viel Blut vergossen wird.
Auf diese Weise wird das Reich durch die Nacb-läßigkeit der KriegSzucht entkräftet, und durch die in-nerlichen Kriege ganz erschöpfet.
Mitten unter so vielen Unordnungen nimmt dieEhrfurcht vor dem römischen Namen und seine Ma-jestät ab.Dic so oft überwundnen Parther werdendemReiche vom Morgen her furchtbar, und zwar unter demalten Namen der Perser, den sie wieder annehmen.Die mitternächtlichen Nationen, welche kalte und un-fruchtbare Länder bewohnten, wurden durch die Schön-