582 Bischof Bossuets Einleitung
Die Weichlichkeit des Honorius, und Valenti-nianS des III. der Kaiser im Occidente, war Ursache,daß alles verlohrcn gieng.
Italien und Rom selbst wurden zu verschiednenmalen geplündert, und ein Raub der Barbaren.
Der ganze Occident war ihnen preis gegeben.Africa wurde von den Vandalen, Spanien von Visi-gothen, Gallien von den Franken, Großbritannien von den Sachsen, Rom und Italien selbst von denHerulern und hernach von deyOstrogothen eingenomen.Die römischen Kaiser begnügten sich mit dem Oriente,und gaben das Uebrige.Rom selbst und Italien ganz auf.
Das Reich erholte sich unter dem Iustinian durchdie Tapferkeit des VelisariuS und Narses wieder.Die Saracenen wurden dnrch die Uneinigkeiten ihrerNachbaren mächtig; dieNachlaßigkeit der Kaiser warUrsache, daß sie ihnen den größten Theil des Orien-tes wegnahmen, und ihnen auf dieser Seite so viel zuschaffen machten, daß sie nicht mehr an Italien dach-ten. Die Lombarden nahmen daselbst die schönstenund reichsten Provinzen ein. Rom wurde in die äus-sersten Umstände gebracht, weil cS so oft angegriffenwurde, und da es aus dein Oriente keine Hülfe zuhoffen hatte, so wurde es gezwungen, sich in die Arme derFranzosen zu werfen. Pipin, der König in Frank-reich, gieng über die Alpen und bändigte die Lombar-den. Nachdem Carl, der Große, ihrer Herrschaft einEnde gemacht hatte, so ließ er sich zum Könige vonItalien krönen, wo seine Mäßigung allein Ursachewar, daß die Nachfolger der Kaiser noch einigen ge-ringen Antheil daran hatten. Im achthundcrtcnJahre unsers Heilandes wurde er zum römischen Kai-ser erwählt und stiftete ein neues Kaiserthum.