586 Bischof Bossuets Einleitung
Hieraus können sie sehen, Monseigneur, daß, wiedie unvermeidliche Schwache der Republik in der Ei-fersucht zwischen dem Volke und dem Senate bestund,also auch die Monarchie der Cäsarn ihre UnVollkom-menheit hatte, und diese bestund inderUngebundenheitder Soldaten, von denen sie dazu gemacht worden waren.
Denn es war nicht möglich, daß die Soldaten,welche die ganze Regierungsform geändert, und dieKaiser eingesetzt hatten, nicht bald hätten einsehen sol-len, daß sie es wären, die mit dem Reiche schaltenund walten könnten, wie sie wollten.
Sie können zu diesen Zeiten, die sie ißt betrachtethaben, noch diejenigen hinzusetzen, welche den Zustandund die Veränderungen der Miliz betreffen, die Zeit,wo sie dem Senate und dem römischen Volke unter-würfig und ergeben ist, diejenige, wo sie sich den Feld-herren ergiebt, diejenige, wo sie dieselben zu unum-schränkten Herren unter den militärischen Titel derImperatoren erhebt; diejenige Zeit, wo sie gewis-sermaßen selbst mit ihren eignenJmperatoren umgieng,wie sie wollte, und sie nach ihrem Dünkel bald absetz-te, bald einsetzte. Hieraus entstunden ihre ungezähm-te Freyheit, ihre Empörungen, und die Kriege, die wirbetrachtet haben, und endlich mit dem Ruine der Mi-liz der Untergang des ganzen Reiches.
Das sind die merkwürdigen Zeiten, welche uns dieVeränderungen des römischen Staates, an sich selbstbetrachtet, bezeichnen. Diejenigen, welche sein Ver-hältniß gegen andre Völker angehen, sind eben soleicht zu unterscheiden.
Es giebt eine Zeit, wo Rom mit seines gleichenstreitet, und wo es selbst in Gefahr ist. Diese Zeitbegreift etwa fünfhundert Jahre, und endigt sich mit
dem