Abhandlungen. 607
mng, wenn man Ursache zu haben glaubte, mit ih-nen unzufrieden zu seyn. Im andern Jahrhunderteentstund in der Kirche ein Streit wegen der Feyer desOsterfestes, welches die occidentalischen und orientali-schen Kirchen nicht zu einer Zeit begiengen. Die mor-genlandischen Kirchen feyertcn es nebst denen in Gal-lien mit den Juden an einem Tage, und die abend-ländischen verlangten, daß man es den nächsten Sonn-tag darauf feyern sollte, um sich von den Jüden zuentfernen *. Dieser Unterschied war so wichtig nicht,daß sich deswegen die Kirchen unter einander trennensollten. Anicet, Victors Vorgänger, hatte darumauch die Gemeinschaft mit dem heiligen Polycarpus,dem Bischöfe zu ^DMyrna, nicht aufgehoben, welcherin diesem Stücke von den Abendländern abwich. Victoraber war ehrgeiziger und hitziger; er wurde aufgebracht,daß die morgenländischcn Kirchen bey ihrer Gewohnheitblieben, und sich nicht nach den abendlandischen richteten,deren Haupt er seyn wollte. Er schloß sie also von derGemeinschaft mit seiner Kirche aus. Allein sie entsetztensich vor diesem Oonner nicht,und sie glaubten nicht, außerder Kirche Christi zu seyn, wenn sie auch außer der Ge>-meinschaft mit dem römischen Bischöfe waren. Siefürchteten sich vor den schrecklichen Strafen des Him-mels nicht, die sie fürchten sollten, wenn sie Rebellenwider ihr Oberhaupt wurden. Polykrates, Bischofzu Ephesus , der Vornehmste unter den asiatischen Bi-schofen, schriebin sehr starken Ausdrücken an Victorn,und behauptete die Gewohnheit, die zu Rom verdammtworden war. Er setzte der römischen Kirche, welcheauf ihre Stifter die Apostel, Petrum, und Paulum,stolz seyn konnte, den Apostel Johannes und Phitippus,
und