6o8 Anhang einiger historisch - critischen
und eine ganze Menge berühmter Heiligen und Mär-tyrer entgegen, welche das Osterfest nach seiner Weisegefeyert hatten. Er seht in seinem Briefe sogar denheiligen Johannes überPetrum, weil er an der BrustJesu gelegen hatte Das hieß wohl nicht den römi-schen Bischof für den sichtbaren Statthalter Christihalten. Der heilige Irenaus verdammte seine Auf-führung in einem Schreiben an ihn, worinnen er ihmund seinen Vorfahren bloß als Priestern begcg.nete**. Andre Kirchen, die gar nicht in den Banndes römischen Patriarchen eingeschlossen waren, folg-ten dem Beyspiele des Irenaus, und tadelten Victorsheftiges Verfahren sehr. Victor verdiente ihren Ta-del. Zu der Zeit, da die Christen noch überall heftigverfolgt wurden, und ihre Priester die Heiden durchdie Ausübung der größten Tugenden vornehmlich gegenihre Brüder selbst zur Sanftmuth und Gelindigkeilbewegen sollten, zu der Zeit konnte ein Bischof, de?ein Nachfolger Petri war, das Band der Einigkeitunter den Kirchen wegen einer streitigen Gewohnheitzerreißen? Was konnte ihrem Haupte, Christo, vordem tausend Jahre wie ein Tag sind, daran gelegenseyn, ob man das Gedächtniß seiner Auferstehung den14 oder den 21 Merz feyerte? Diejenigen, welchedas Osterfest den 21 begierigen, wollten die nicht fürihre Brüder erkennen, die es den 14 feyerten. Daswar für die Heiden sehr erbaulich. Konnte ein klei-ner Unterschied in einer Gewohnheit die Zwietrachtund Verfolgung zwischen Bekennern einer Religionrechtfertigen, wie konnten sich nicht die Heiden entschul-digen, deren Religion von der christlichen völ-lig unterschieden war? Es war aber ein Glück für
die
* Ensebilis in s. Kircheng. 5.L. 24. K.5ocr»r. tM. Lccl.c.21.