Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
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612
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612 Anhang einiger historisch-critischen

Aber vielleicht konnte der Bischof zu Rom in denZeiten, wo die Heiden herrschten, und die christlicheReligion zu unterdrücken suchten, nicht alle Wahrheitenöffentlich entdecken, die ihm von Petro anvertrautworden waren. Vielleicht gehört die Lehre von seinerUnfehlbarkeit und Hoheit unter die Lehren, welche Ge-heimnisse blieben, wie die Lehren von der Anbetungder Heiligen, und der Verwandlung desBrodtcSunddes Weines dergleichen Geheimnisse seyn sollen. Viel-leicht ist die Lehre von der Hoheit des römischen Bi-schofes in den großen allgemeinen Versammlungender Kirche erkannt worden. Die Vertheidiger der rö-mischen Lehren behaupten dieses, und führen denVorsitz der Bischöfe in Rom bey diesen allgemeinnen Zusammenkünften der christlichen Lehrer zum Be-weise an. Man könnte antworten, daß sich die Wahr-heiten niemals viel Hochachtung erworben hatten, diedas Licht scheuten , da alle andern Wahrheiten unsrerReligion öffentlich bezeugt, und mit dem Blute ihrerBekenner versiegelt worden sind. Unterdessen wollenwir doch das Vorgeben der Vertheidiger des römischenStuhles untersuchen»

Ehe wir uns in diese Untersuchung einlassen, so wol-len wir vorher die Begriffe bestimmen, welche die al-ten Geschichtftl)reiberder Kirche mit dem Worte, Vor-sitze, verbinden.Die Bestimmung der verschiednen Be-deutungen dieses Ausdruckes ist in den meisten Schriftten von den Kirchenversammlungen auS der Acht gelas-sen worden, und sie ist es doch, welche die von ein-ander abweichenden Meynungen von denen, die beyden Kirchenversammlungen präsidirt haben, vereini-gen kann.