614 Anhang einiger historisch-critischm
Man eignete endlich auch denen den Vorsitzzu> welche den Vortrag hatten, welche die vornehm-sten Urheber der Anordnungen und Einrichtungen beyden Kirchenversammlungen waren, und in ihrem Na-men die Glaubensbekenntnisse und die Gesetze wegender Kirchcnzucht entwarfen. Die Wahl dieserPräsidenten stund in Provincialversammlungenbey allen Bischöfen. Man sah dabey nicht ebenauf den Rang der Bischöfe, sondern geineiniglich aufihre Verdienste, und sehr oft auf ihr A lter. So wur-de bey der ariminensifchen Kirchenversammlung demBischöfe Mazonius das Primat von allen Versam-melten seines Alters wegen aufgetragen. Bey all-gemeinen Zusammenkünften erwählten die Kaiser diesePräsidenten. Es waren nicht allezeit Bischöfe, de-nen sie dieses Amt übergaben; sie nahmen zuweilen ei-nige von ihren Ministern dazu, und gemeiniglich ausder Ursache, weil sie unpartheyischer von den Strei-tigkeiten und Entscheidungen urtheilen konnten, als dieuneinigenBischöfe.Jch übergehe itzt mitStillschweigen,daß sehr oft die vornehmsten und besten Vertheidigereiner Wahrheit Präsidenten genannt wurden, siemochten geistlichen oder weltlichen Standes seyn. Sohatte bey der antiochenischen Versammlung, welchePaulum von Samosata verdammte, Tllalchion,ein Sophist, diese Ehre. Wenn man diese ver-schiednen Begriffe immer vor Augen hat, so wird manleicht einsehen, warum in der Geschichte von verschicd-nen Kirchenversammlungen so viele Präsidenten an-gegeben werden. Wir wollen nunmehr zeigen, daßdie Bischöfe in Rom bey den allgemeinen Kirchen-Versammlungen fast in keiner Bedeutung den Vorsitzgehabt haben.
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