Abhandlungen. 655
Menschen entweder den Glauben zu geben, oder zustärken. Eine icde besondre Gemeine, welche dieseSiegel auf Hrer Stirn trägt, kann gewiß seyn, daßsie zu der Klrche gehöre, welche mit Christo einen Leibausmacht, welche apostolisch, allgemein, heilig, undewig ist. Man kann das Lob, welches Gregorius Na»zianzenus dem Athanasius giebt, mit Rechte auf sie deu-ten. Je reiner ihre Lehren, und ie größer ihre Heiligkeitund Tugenden sind, desto naher sind sie ihrem Ursprünge,und wenn sie der Zeit nach von den Stiftern der Kirche,den Aposteln, noch so weit entfernt wären. Alle Zeit,die zwischen ihnen und den Aposteln verflossen ist,wird alsdann für nichts geachtet.
Wir richten nicht; so viel wichtige Irrthümer manauch der römischen Kirche gezeigt hat, so verdammenwir doch ihre Mitglieder nicht. Allein sind sie nichtzu stolz, und zugleich zu ungerecht, daß sie sich alleinfür den wahren Leib Christi, für die allgemeine, fürdie apostolische, und für die heilige Kirche Gottes hal-ten, daß sie andre Kirchen auch von Gott ausgeschlos-sen zu haben glauben, wem, sie sie von der Gemein-schaft mit der ihrigen ausschließen ? Und ist die Kühn-heit nicht allzugroß, wenn sie von der römischen Kir-che behaupten, daß sie die Kirche sey, außer deren Ge-meinschaft keine Seligkeit zu hoffen ist? Der Bi-schof Vofsver, welcher doch mehr Vernunft und Ein-sicht hatte, als andre, treibt seine Urtheile selbst soweit. Er war einer von den eifrigsten und listigstenBekehrern, und so groß auch sonst seine Menschen-freundschaft und Billigkeit, und so tief seine Einsichtin die Kirchengeschichte war, so nannte er doch alle die-jenigen Ketzer, welche sich nicht jur römischen Kirche
bekannten.