Abhandlungen. 665
die heftigen Anrufungen, die sie an sie richteten, umihre Zuhörer in Verwunderung zu setzen, und dieWunder, die man ihnen andichtete, wenn man keinewirklichen Wunder von ihnen wußte, waren Ursache,daß sich die Ehrfurcht des Volkes nach und nach inAberglauben verwandelte.
Basilius scheint der erste gewesen zu seyn, welcher'die Märtyrer auf eine so rednerische Art angerufenhat. Er erhob in einer Homilic vierzig Soldaten,als Märtyrer unsrer Religion, und sagte von ihnen,daß sie so viele Vorsprecher bey Gott wären, zu wel-chen man im Unglücke seine Zuflucht nehmen müß-te*. Allein dieses war keine allgemeine Lehre derKirche. Chrysostomus, welcher ein so heftigerRedner war, welcher alle Vortheile wahrzuneh-men wußte, die ihm seine Einbildungskraft undsein reicher Geist zur Stärke oder zum Schmuckeseiner Reden darbot, welcher sogar das Spielwerkdes Witzes nicht verachtete, wenn es ihm rührendvorkam, hat in allen seinen Lobreden auf die Märty-rer niemals gesagt, daß man sie anbeten müßte.Er setzte vielmehr die wahre und größte Ehre,die man ihnen erzeigen könnte, darinnen, daß manihre Tugenden nachahmte. Wenn die Anbetungder Heiligen eine angenommnc Wahrheit der Kir-che gewesen wäre, warum fände man sie in sei-nen Lobreden der Heiligen nicht, wo sie so natürlichwar? Diese abergläubische Lehre schlich sich nurnach und nach in die Kirche ein; man setzte die Bild-seulen der Heiligen erst nur vor die Kirche; baldsetzte man sie in die Kirche. Erst bat man für die ver-
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