Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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666 Anhang einiger Worisch-critischm

siorbnen Heiligen, bald darauf verlangte mail vonihnen, daß sie für uns bitten sollten. Erst sah mandie Bildnisse der Märtyrer nur au, um sich ihrerThaten und unsterblichen Tugenden zu erinnern;darauf küßte man sie; darauf kniete man vor ihnennieder; darauf zündete man Wachskerzen vor ihnenan, und räucherte ihnen; endlich betete man im ach-ten Jahrhunderte so gar ihre Bilder selbst an.

Äls diese abergläubische Anbetung sich so weit aus-gebreitet hatte, so wurde ieo, der dritte, welcher da-mals den Orient beherrschte, durch den Rath desTheophilus, eines Metropolitanbischoses inNacholienbewogen, einen Befehl zu geben, worinnen gebotenwurde, kein Bildnisi anzubeten. Er sagte zu demPatriarcheil in Constantinopel, welcher Germanushieß, daß es eine Abgötterey wäre, Bildnisse zu eh-ren, und vor ihnen niedcrzuknien. Er gieng in seinemEifer so weit, daß er gebot, alle Bildseulen Christi,der Apostel, und Heiligen umzustürzen, und zu zer-brechen , die Gemälde an den Wänden in den Kir-chen auszulöschen, und die Wände mit Kalch zu über-weißen. Er wollte das Uebel mit seiner Wurzelausrotten. Allein die Erfahrung von so vielen Jahr-hunderten hatte ihn lehren sollen, daß die Irrthümerin der Religion nur tiefere Wurzeln schlagen, wennman allzugewaltsame Mittel wider sie braucht.Germanus und seine ganze Clerisey widersehtensich den Unternehmungen des Kaisers / und ihr Ei-fer gieng so weit, daß sie die kaiserlichen Arbeiter,welche ein Bildniß unsers Heilandes wegschaffen soll-ten, umbrachten. Der römische Bischof, Gregori-us, der dritte, welcher sich nunmehr schon, wie seine

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