672 Anhang einiger hiftorisch-cvitischen
gottlos und teuflisch wäre. Unterdessen war sie inderThat der nicänischcn fast in allen Stücken vorzuzie-hen. Wir wollen dieses mit einigen Anmerkungenbeweisen.
Es gieng bey der constantinopolitanischen Ver-sammlung weder so gewaltsam noch so eilfertig zu. Esist wahr, daß die Bischöfe, welche diesen Streit un-tersuchen sollten, den Willen des Kaisers, und seinenHaß gegen die Anbeter der Bilder wußten. Es kannauch seyn, daß diese Wissenschaft an ihren Aussprü-chen einigen Antheil haben kann. Allein die Ver-sammlung hatte zum wenigsten den äußerlichen Scheineiner vollkommnen Freyheit. Die Bischöfe, welchefür die Anbetung der Bilder waren, durften ihreGründe vortragen und vertheidigen. Man eilte nichtMit der Entscheidung; man hattest» viel Aufmerksam-keit, Gedult und Ehrfurcht gegen diesen Streit, alser verdiente. Mai? brachte sechs ganze Monate zu,diesen Streit nach der Schrift, und den Kirchenvä-tern zu untersuchen. Man ist zu entschuldigen, wenneine so lange Ucberlegung uns ein Vorurthcil für dieAussprüche einer solchen sorgfältigen Versammlungmacht.
Allein wie gewaltsam und eilfertig verfuhren nichtdie Bischöfe in Nicäa! Man ließ diejenigen unterihnen, welche dem Bilderdienste entgegen gewefen wa-ren, nicht eher in der Versammlung Sitz nehmen, bissie dieses bereut hatten, und die Anbetung der Bilderannahmen. Man machte also den Irrenden erst denProceß und untersuchte hernach, ob sie geirrt hät-ten. Man berathschlagte so gar, ob man diejenigen,welche auch ihre ersten Meynungen bereuten, bey derbischöflichen Würde lassen sollte oder nicht. Man ver-damm-