Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
681
Einzelbild herunterladen
 

Abhandlungen. 6gi

so eittzuflechten weis, daß sie ein vortheishaftes Anse-hen bekommt, enrhält vornehmlich zwo Meynungen,welche nicht allein ohne alle Beweise angenommenwerden, sondern so gar die alten Lehrer der Kirche wi-der sich haben. Die erste ist diese, daß der menschli-che Verstand in den Fragen von seiner Selig-keit durch seine natürliche Ungewißheit so sehrein Gaukelspiel seiner Vernunftschlüsse werdenkann, daß ihm zur gewissen Erkenntniß derlVahrheic kein andrer N>eg übrig bleibt,als der Ausspruch der Zxirche. Die an-dre eben so ungegründete Meynung ist diese, daß dieAirche ein Ansehen hat, wodurch der seiner lTla-tur nach ungewisse menschliche Verstand gewißgemacht und zur TVahrbeit bestimmt werdenkann. Einige kurze Anmerkungen werden uns über-führen, wie ungegründet beyde Sätze sind.

Unser Verstand ist von Natur so ungewiß nicht,wenn er nicht von den Vorurtheilen und Leidenschaftendes Herzens verderbt wird, daß er die Wahrheit nichtdurch sich selbst von dem Irrthume unterscheiden könnte»Er ist fähig, durch das Licht der Vernunft so viel vonGott, und seinen unendlichen Eigenschaften zu erkennen,daß er aileOsscnbarungen,welchc für göttlich ausgegebenwerden, hinlänglich beurtheilen kann, »b sie von Gottsind, oder nicht. Wir wollen annehmen, daß ein Mensch,der die Offenbarung der Christel, schon für göttlichhalt, in diesen oder jenen Wahrheiten noch ungewißist, und Unterricht sucht. Der römische Gottesgelehr-te wird zu ihm sagen, daß er die Lehre, in der er un-gewiß ist, für wahr halten muß, weil die Kirche siefür wahr hält. Er wird ihm alle Untersuchung ver-wehren, oh diese oder jene Wahrheit mit andern Leh-U u 5 re»